Tag 25   Oberthulba zum Würzburger Haus

Ich bin früh auf. Frühstück gibt es ja Keines, so dass ich mich sehr früh aufmachen kann. Das hat den Vorteil, dass ich einen Teil des Weges am Morgen zurücklegen kann, wenn es noch nicht so heiß ist. Heute geht es den ganzen Tag so gut wie ausschließlich aufwärts. Lediglich ein kurzes Stück von der Platzer Kuppe geht abwärts, bevor ich zum Würzburger Haus komme.

Nordwestlich geht es auf Feldwegen aus Weitmer durch Felder hinaus und dann in den Wald. Die Sonne hat ganz schön Kraft. Ich bin froh um kurze Ärmel und knöpfe mein Hemd weiter auf. Immer weiter geht sachte bergauf. Die Autogeräusche nehmen stetig zu. Dann erreiche ich die A7. In unmittelbarer Nähe der Brücke für Forstbetrieb und Fußgänger liegt eine der Wildbrücken über die Autobahn. Diese ist für Menschen tabu, da die Wildtiere sie sonst meiden würden. Im dichten Wald geht es nun noch ein kurzes Stück auf breitem geschotterten Waldweg weiter bevor die erste Steigung erledigt ist und es einen halben Kilometer leicht abwärts geht.

Nach einer guten Stunde macht der Weg eine deutliche Linkskurve und erreicht einen Bach. Hier geht es rechts weiter. Der Schotterweg führt weitere 3 Kilometer zum Weiler Oehrberg. Dort spendet ein Brunnen Wasser und ich tauche meine Mütze ins Wasser. Feuchte Mütze gleich kühler Kopf. Geht es doch nun die folgenden Kilometer kontinuierlich nach Waldfenster bergan. Es ist heiß und der Schweiß rinnt. Noch immer ist mir seit dem Start in Würzburg kein Wanderer oder Spaziergänger begegnet.

Der Weiterweg bergan verläuft in 150 Meter Entfernung parallel zur B286 bis zu einem Wanderparkplatz. Von hier steilt es noch einmal auf und man muss einen knappen Kilometer über Wiesen durch die Sonne bis zum höchsten Punkt des heutigen Tages. Die Platzer Kuppe. Von hier hat man einen fantastischen Ausblick auf das Vorland der Rhön. So geht es kurz steil bergab und dann folgt der letzte Anstieg hoch zum Würzburg Haus, das am Osthang Erlenberg liegt. Kurz bevor ich mein Tagesziel erreiche, stoße ich auch wieder auf das „WH“. Der Weg ist breit, ich habe Durst und freue mich auf ein Kaltgetränk, da hätte ich den Wiesenweg ohne das „WH“ doch glatt verpasst und hätte einen Umweg gehen müssen. Hätte der Wegewart nicht kürzlich gemäht, …

Ab hier sind nun erstmals andere Wanderer und vor allem Mountainbiker anzutreffen. Das Haus liegt wirklich malerisch mit einem tollen Blick nach Norden in Richtung Hessische Rhön am Hinterhang des Erlenbergs. Um das Haus liegt ein Spielplatz und grobe Bänke und Tische sind unter Sonnenschirmen aufgestellt. Ich habe Hunger, gab es doch kein Frühstück und unterwegs gab es keine Möglichkeit einzukehren. Also nix wie rein in die gute Stube und mich angemeldet. Ich nehme meinen Zimmerschlüssel – Doppelzimmer für mich allein – entgegen und bestellen erstmal was zu Essen. Es ist immerhin kurz nach 13 Uhr. Das Essen schmeckt gut und ist reichhaltig.

Rucksack auf´s Zimmer und die Dusche aufgesucht. Als ich mich frisch geduscht und nach einem Mittagschläfchen an eine der Bänke im Schatten setze, werde ich auf mein T-Shirt „Deutschland zu Fuß 2026“ angesprochen. Ich erkläre, mein Vorhaben und werde ermuntert durchzuhalten. Einzelne fragen, ob sie das T-Shirt fotografieren dürfen. Natürlich dürfen sie. Einer der Biker erzählt, er habe ein ähnliches Projekt zu seinem Renteneintritt – einmal durch Spanien radeln – leider abbrechen müssen. Gegen Abend wird es ruhiger am Haus und ich gönne mir noch eine Suppe als Abendessen, bevor ich gegen 21 Uhr ins Bett falle. Zuvor hat mir ein Mountainbiker eine Pension, in der er gestern nächtigte, in Oberweissenbrunn empfohlen. Ich rufe an und bekommen ein Zimmer für morgen Nacht. Küche gibt es auch. Der Gasthof, den ich anvisiert hatte, hat keine Verpflegung im Angebot.

Heute bin ich nach gut 4 Stunden Gehzeit gut 19 Kilometer Strecke mit 750 Höhenmeter Anstieg am Würzburger Haus des Rhönklubs, Ortsverein Würzburg, angekommen. Fast alpine Zahlen. Habe ich in der Rhön nicht erwartet. Die Bewirtschaftung ist wie auf einer Mittelgebirgshütte üblich. Selbstbedienung und es sind kleine Zimmer.