Tag 26 Würzburger Haus nach Oberweissenbrunn
Ich bin früh auf. Frühstück gibt es im Gastraum, wo ich mit einer Familie und dem Vorstand der Rhönklubs Würzburg beim Frühstück sitze. Das Ziel für heute ist Oberweissenbrunn knapp 19 Kilometer entfernt. Ab 17 Uhr kann ich einchecken. Heute habe ich genug Zeit. Die Hitze wird sich aber sicher auf´s Tempo niederschlagen, aber egal. Ich habe ein Zimmer, was zu Essen gibt es auch. Also frühstücke ich in aller Ruhe, ziehe mich um und dann geht es los. Einen Apfel habe ich noch schnell vom Frühstück eingepackt.
Die ersten knapp 10 Kilometer verlaufen unspektakulär. Der Weg ist nach Josef-Kardinal-Döpfner benannt, der, bevor er Erzbischof in München wurde, in Fulda als Bischof wirkte und viel in der Rhön gewandert sei. Sei´s drum. In welligem auf und ab geht es immer durch den Wald, was bei der Hitze angenehm ist. Ich quere ein Sträßchen. Beim Abstieg vom Feuerberg begegne ich den ersten beiden Wandern der Tour, die in meine Richtung gehen. Einer der Wanderer erzählt, er sei fast 80 und gehe jeden Tag, nachdem er in die Rhön gezogen ist, eine Runde in der Umgebung. Früher sei er immer ins Allgäu zum Wandern gefahren, aber nun wandere er lieber im Mittelgebirge. Er empfiehlt ich solle unbedingt zum Kreuzberg gehen. Mal sehen. Kurz vor der St2267 trennen sich unsere Wege. Ich Richtung kürzlich abgebrannte Kissinger Hütte, er in die entgegengesetzte Richtung. Die Bauarbeiten an der Hütte gehen gut voran. Der Rohbau ist fertig und die Zimmerer sind dran. Ich beobachte deren Tun bei einer Pause im Schatten.
Der Weg geht nun eben durch Wiesen nordwärts. Ich habe tolle Fernblicke auf die umliegenden Berge. Der Kreuzberg schiebt sich langsam ins Blickfeld. Nach 10 Kilometern geht es im Wald steil bergan. Hier treffe ich eine Vielzahl Wanderern. Gut, es ist Samstag und der Kreuzberg muss ein bekanntes Ausflugsziel sein. Wie ich gleich erfahren werde, nicht wegen des Gipfels, sondern wegen des Klosters und dessen hier gebrauten Bieres. Ich steige auf den Gipfel mit seinem hohen Sendemast. Eigentlich hatte ich vor im Kloster einzukehren, war es doch früh am Tag, aber der Hinweis auf eine nahe Bergwachthütte samt einer bewirtschaftetet Berghütte änderten meine Pläne.
In einer viertel Stunde war ich an der Bergwachthütte, die leider unbetreut war. Also direkt zur Hütte. Verlassene Skilifte säumen meinen Weg. Die Hütte war wegen einer geschlossenen Gesellschaft auch geschlossen. So spart man Geld. Weiter abwärts erreiche ich die 3-Kreuze-Aussicht unterhalb der Kreuzbergstraße.
Der Weiterweg scheint klar, so dass ich den Schildern keinen Blick schenkte. Prompt überkommt mich ein komisches Gefühl. Ich gehe abwärts, obwohl ich eigentlich eher eben weiterkommen sollte. Komoot raus und ja, ich muss 300 Meter leicht bergan in der Sonne durch eine Wiese zurück. An den Schafen hätte ich rechts statt links vorbei gemusst. Wenig später bin ich wieder auf dem richtigen Wege und komme an eine Schutzhütte, die Schatten spendet. Ich leere meine Wasservorräte, als mich zwei Wanderinnen in Gegenrichtung beehren. Eine durchwandert die Rhön von Nord nach Süd und die andere begleitet sie dieses Wochenende.
Die eine legt sich auf die Bank und versucht einen 15-minütigen Powernap zu machen, während ich mit deren Begleiterin plaudere. Sie wollen noch auf den Kreuzberg Bier trinken und dann weiter zum Würzburger Haus. Da haben sie in der Hitze noch ein Stück Weg vor sich. Kurz vor dem Ziel komme ich an einem deutsch-amerikanischen Freundschaftsstein vorbei, der bei einer Feier der US-Army und der Bundeswehr anlässlich eines Skiwettkampfs in der 70ern errichtet worden ist. Ich mache ein letztes Päuschen im Schatten, bin ich doch viel zu früh dran. Um vier sehe ich mein Quartier.
Heute bin ich nach gut 4 Stunden Gehzeit knapp 19 Kilometer Strecke mit 440 Höhenmeter Anstieg in Oberweissenbach angekommen. Duschen und frisch machen und dann rüber in die Gaststätte zum Essen. Das Haus ist der Einrichtung nach in den 70ern zum letzten Mal renoviert worden. Da gab es auch noch Schnee in der Rhön. Zurzeit steht ein Gerüst am Haus. Es tut sich also was.