Tag 31   Bebra nach Waldkappel

Alle Züge waren pünktlich. Vom Würzburg mit dem ICE, der 5 Minuten zu früh in Fulda war, weswegen ich nicht eine Stunde, sondern nur 2 Minuten auf dem RE nach Bebra warten musste. Es lief wie am Schnürchen. Um 11 Uhr ging es dann wieder los. Kurzer Abstecher in die Innenstadt für ein Vesper, einen LKW sowie einen Wurstwecken beim Metzger, wusste ich doch, dass das Restaurant meines heutigen Quartiers nicht offen haben würde.

Zurück Richtung Bahnlinie. Diese begleitete mich immer in nördlicher Richtung aus Bebra hinaus. Ich durchschritt eine dunkle Bahnunterführung für Radfahrer und Fußgänger und kam an einem kleinen Bach vorbei an den Rand Bebras. Ab hier ging es die erste Hälfte der Strecke langsam bergauf. Kaum oben hatte ich einen guten Blick zurück auf Bebra sowie Rotenburg an der Fulda. Schon in Bebra fiel mir das schwarze „F“ als Wegzeichen ins Auge. „Franzosenstraße“, aber ich sollte bis zum Ende des Tages nicht herausfinden, warum der Weg des Hessisch-Waldeckischen Gebirgs- und Heimatsvereins so bezeichnet wurde. Erst zu Hause fand ich heraus, dass es sich um eine alte Höhenstraße handelt, die Bebra mit Kassel verband und seit jeher als Handels- und Heerstraße diente. Angeblich haben die Franzosen den langsam zuwachsenden Weg nach der verlorenen Schlacht beim Wilhelmsthal den Weg verbessert; als sie Hin zum Rückzug nutzen. Kein Wunder, dass ich noch öfter auf das „F“ nordwärts stieß.

Über Bebra stoße ich auf eine schöne Rastanlage. Diese hat neben einer Grillstelle auch eine Schutzhütte, die einem bei Regen einen guten Unterstand böte. Aber es regnet nicht. Im Gegenteil, es ist heiß und mir rinnt trotz der nur geringen Steigung der Schweiß in Strömen unter dem Rucksack. Kurze Pause und eine meiner drei Wasserflaschen raus.

Hier in der Gegend beherrscht der Pflug die Landschaft. Es ist zwar hügelig, aber die Gegend ist landwirtschaftlich geprägt. Mais und Getreide, so dass ein wenig Schatten gibt. Ich setzte meinen Weg auf der Franzosenstraße fort. Es ist wellig, aber die Höhendifferenzen sind jeweils nur gering. Ich komme gut voran. Eine Vielzahl unterschiedlicher Schmetterlinge flattert um mich herum. Das bin ich von zu Hause nicht gewohnt. Ich verweile einen Augenblick und schaue den für mich erratischen Flugmanövern zu.

Nach zwei Dritteln der Wegstrecke erreiche ich den Gipfel meiner Tour. Langsam gehen mir auch die Getränke aus. Ich habe mir zwar ein Vesper für heute Abend mitgenommen, aber der Hunger ist größer. Der Wurstwecken verschwindet aus dem Rucksack. Leider auch der letzte Rest Wasser. Zum Glück geht es nun grundsätzlich immer bergab durch den Wald. Kühler Schatten und ich erquicke mich an dem Gedanken, dass nur noch eine knappe Stunde zu gehen ist.

Als ich den Wald verlasse, schlägt mir komoot vor ich solle der Kreisstraße nach Eltmannsee folgen. Kann man ein Stück machen. Aber über 30° C ohne Schatten und der Verkehr ist doch stärker als gedacht. Keine gute Idee. Ich verlasse der Straße an der ersten Möglichkeit nach rechts. Zwar auch kein Schatten, ein kleiner Umweg, aber wenigstens keine Autos. Eltmannsee ist schnell erreicht und durchquert. Ein kurzes Stück bergab durch den Wald und ich erreiche Waldkappel-Burghoden, wo ich Quartier machen will.

Glücklicherweise kommt gerade ein Gast aus dem Hotel, als ich eintreten will, so dass der Hinweis, ich solle anrufen um Einlass zu bekommen, hinfällig ist. Ich erfahre, das Restaurant habe heute wirklich Ruhetag, aber es gebe eine Pizzeria im Ort, die auch liefere. Wenig später - noch vor der Dusche – habe ich Kaltgetränk in der Hand und sitze im Schatten der Terrasse.

Frisch geduscht mache ich mich in den Gastraum um weitere Kaltgetränkte zu mir zunehmen auf, bevor ich zu Pizzeria will. Gut gegessen, ist halb gewandert. Ich werde vom Koch gefragt, ob ich mitessen will, da er für die Angestellten gerade das Abendessen zubereitet. Es gibt Rheinischen Sauerbraten mit Bratkartoffeln. Natürlich will ich. Also keine Pizza. Essen war gut und so geht ein gelungener Wandertag zu Ende.

Heute habe ich in gut 4 Stunden Gehzeit knapp 22 Kilometer Strecke mit doch 800 Höhenmetern Anstieg nach Waldkappel gewandert. Die Kassler Berge eben.