Tag 33   Trubenhausen nach Arenshausen

In der Jugendherberge gut gefrühstückt geht es mit den Öffentlichen nach Trubenhausen. Umsteigen in Witzenausen verläuft problemlos. Heute wird es ein langer Tag und ich werde mich gegebenenfalls an die Zeit halten müssen, habe ich mein Gepäck doch Göttingen gelassen und nur Getränke mitgenommen,. Der Zug fährt von Arenshausen in Thüringen nur alle zwei Stunden. Wie das eben so ist in ehemaligen Bahnhöfen an der innerdeutschen Grenze. Hier war die Welt zu Ende und auf östlicher Seite besonders.

Gegen zehn wandere ich in Trubenhausen los. Zuerst muss ich den Weg von gestern ein Stück zurück. Heute muss ich drei Anstiege bewältigen. Komisch im Allgäu und auf der schwäbischen Alb habe ich nie in Anstiegen gerechnet und seit der Rhön tue ich es. Gut ist, dass der erste Anstieg früh am Morgen zu bewältigen ist und es fast ausschließlich im Wald aufwärts geht. Trubenhausen nordöstlich verlassend gewinne ich auf einem breiten Schotterwaldweg langsam an Höhe. Ich passiere eine überdachte Pausenbank, die ich allerdings achtlos hinter mir lasse. Es wird wärmer – auch im Schatten - und der Schweiß rinnt. Als ich den Anstieg, immer auf breiten Wegen gehend, hinter mir habe, mache ich an einem Holzlagerplatz Halt. Ich wusste gar nicht, dass Rucksack runter und Trinkflasche raus so schnell gehen. Der erste halbe Liter verdunstet förmlich in meiner Hand.

Nach der Pause führt mich der halblinke Schotterweg eine zeitlang bergab. Ich komme an den ersten Felsen des Werra-Meißner Kreises vorbei. Statt der Straße 500 Meter zu folgen, entschließe ich mich steil bergauf den Waldweg zu nehmen und auf einen schmalen Waldpfad 300 Meter langsam wieder abzusteigen und erreiche 200 Meter vor einer Freizeitanlage mit Kinderplanschbach, Grillstelle, Schutzhütte und kleinem Teich wieder die Straße. Ich tauche meine Mütze – kühler Kopf … - in einen dortigen Brunnen, setze mich an eine Bank und der nächste halbe Liter verdunstet. Ab hier ist die Burg Ludwigstein, Jugendburg, ausgeschildert. Ein schmaler Pfad führt am Hang entlang in Richtung Werleshausen. Hier sind Schautafeln mit der Entwicklung der Jugendbewegung in Deutschland  schon aus dem19 Jhdt. aufgestellt. Mein Weg führt mich ultrasteil den Berg zur Burg hinauf. Es ist die zweite Steigung und es sind lediglich 100 Höhenmeter. Ich muss zweimal hinter einem mächtigen Baum pausieren, so strengt mich den Aufstieg an. Komoot zeigt mehr als 25% Steigung. Es ist ein schmaler Pfad, der dazu noch mit dem Schild „Betreten auf eigene Gefahr. Weg wird nicht von umstürzenden Bäumen geräumt.“ versehen ist. Kein Wunder, dass den Niemand geht.

Ich betrete die Burg quasi durch den Hintereingang. Bevor man das Haupttor durchschreitet, erinnert einen eine Ehrentafel für die Gefallenen der Wandervogelbewegung des 1. Weltkrieges. Schnell finde ich die Cafeteria der Burg. Viel los auf der Jugendburg. Pfadfinderlager in der Vorburg und Kinderfreizeiten. Ein halber Liter Kaltgetränk verschwindet. Ich schaue mir den Burghof an. Weder dem Turm noch dem Burgmuseum statte ich einen Besuch ab. Es drängt mich weiter.

Steil geht es abwärts zur Werra. In Werleshausen quere ich die Fulda und schon wartet der dritte Anstieg auf mich. Schattenlos geht es 200 Höhenmeter auf einem zuerst asphaltierten und später mit Rasensteinen gepflasterten Weg in der Nachmittagssonne bergan. In zwei Drittel des Anstieges schwitze ich ohne Ende und setzte mich in den Schatten eines der Obstbäume in einem der Gärten einfach auf dem Weg. Von hier hat man einen tollen Blick auf die Ludwigsstein.

So bequem ist mein Platz auf dem warmen Boden auch nicht, so dass ich mich nach kurzer Rast entscheide doch weiter zu gehen. Wenig später erreiche ich – es wird flacher, aber noch bin ich nicht ganz oben - eine Bank am Waldrand. Meine dritte Flasche kommt aus dem Rucksack und ich trinke sie halbleer. Lass´ dir einen Rest, überlege ich. Wenig später bin ich endlich oben und biege auf das „Grüne Band“ nordwärts ab. Dies war der Weg der Grenzer der Grenztruppen der DDR an der innerdeutschen Grenze. Also bin ich in Thüringen. Dort steht ´ne Bank und das Wasser ist nun alle. Die Beschilderung lautet schon Hanstein. Ob ich da wirklich hin will? Burgen haben in der Gegend die Angewohnheit immer ganz oben zu sein. Als ich aus dem Wald komme sehe ich die Hanstein. Die Burg kenne ich aus einem früheren Besuch. Ich habe Durst. Mein Wasser ist leer. Ob es zwischenzeitlich einen Gastronomiebetrieb auf der Burg gibt? Also rauf zur Burg, nach Hanstein rein hat mich komoot ohnehin geführt. Die Burg kostet Eintritt, ich bin zeitlich knapp dran und was zu trinken gibt es auch nicht, erfahre ich am Kartenhäuschen. Also umkehren und runter ins Tal.

Im Tal zwischen Hanstein und Bornhagen treffe ich auf einen neu angelegten Friedhof. Noch immer Durst. Komoot sagt, es sind noch knapp 6 Kilometer. Auf Friedhöfen gibt es immer Schatten und Wasser. Ich fülle zwei meiner Flaschen und trinke erstmal einen halben Liter. Ich überlege, ob ich wie geplant nach Arenshausen oder nach Eichenberg gehen soll. Mein Zug geht in Arenshausen um 16:14 Uhr und um 16:35 Uhr ab Eichenberg. Es ist 15:16 Uhr und ich habe noch 5 Kilometer bis Arenshausen und 8 bis Eichenberg. Bislang habe ich einen Schnitt von gut 5 Stundenkilometern geschafft. Könnte für Arenshausen reichen, denke ich. Schnell Alles auf und weiter. Ich beschleunige meine Schritte und ein Blick auf den Busfahrplan in Hohengandern zeigt mir, dass kein Bus fährt. Ich erreiche um 16:05 Uhr den Orteingang Arenshausens. Es wird ein Wettlauf mit der Zeit. Ich komme an einer Pizzeria vorbei. Gut, wenn du den Zug verpasst, dann …, halte ich in Erinnerung, da der Zug nur alle 2 Stunden verkehrt. Pünktlich um 16:12 Uhr erreiche ich den Bahnhof. Geschafft. Außer mir steht nur eine Person am Bahnsteig, die still vor sich hin motzt. Als ich zur Anzeigentafel sehe, weiß ich auch warum. Der Zug hat 35 Minuten Verspätung. Damit ist der Anschluss in Eichenberg weg und ich muss dort bis 17:35 Uhr warten, bevor ich nach Göttingen komme. Egal, ich habe ein Nachtquartier und suche einen Platz im Schatten, öffne eine meiner Wasserflaschen und lasse den Herrgott einen guten Mann sein.

Diesmal nehme ich den Bus zur JuHe. Frisch geduscht mache ich mich auf in die Stadt, um die Ecken wiederzuentdecken, die ich gestern nicht geschafft habe. Die Kirchen sind noch alle an ihrem Platz, die UB ist umgezogen – sinnigerweise an den Campus, die Gartenlaube“, mein altes Stammcafé in der Stadt, hat seit Winter zu. Das Gänseliesel gibt es natürlich noch, die alten Tanzschuppen gibt es nicht mehr. Nicht, dass ich ihnen einen Besuch abstatten wollte…. Schließlich Ende in zum Abendessen bei einem Südamerikaner, wo es sogar Russ´n gibt.

Heute bin ich in knapp 5 Stunden reiner Gehzeit nach gut 23 Kilometern Strecke mit doch fast 750 Höhenmetern Anstieg in Arenshausen in Thüringen angekommen, bevor mich der Zug via Eichenberg/Hess. wieder nach Göttingen zurückbringt.

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