Tag 35 Göttingen nach Northeim (Han.)

Ein ausgedehntes Frühstück, ist es doch zum Bahnhof nicht weit, und ich kann ohne Gepäck, wenn man von 1,5 Liter Wasser absieht, die Etappe antreten. Der Bus bringt mich vom Bahnhof zum ROXX, das leider noch geschlossen hat. Einen Espresso hätte ich durchaus genommen.

Als erstes mache ich mich durch das dichte Weggeschlängel im Wäldchen hoch zum Elefantenklo, wie der Bismarckstein auch genannt wird, auf. Göttingen hat seinem vielleicht berühmtesten Studenten gleich zwei Denkmäler gesetzt: Den Turm und den Stein. Von dort immer bergab und dann wieder hoch nach Nikolausberg, das erst in den frühen 70ern an die Wasserversorgung angeschlossen wurde. Zuvor wurde das Trinkwasser – auch für die Gasthöfe, war Nikoberg doch neben der Plesse ein beliebtes Ausflugziel für - vor allem - Corpsstudenten – in hölzernen Trögen vom Brunnen geholt. Kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen, wie das damals war. Von Nikoberg zur Nikolausberger Warte, der größten und am stärksten befestigten Warte der äußeren Göttinger Stadtbefestigung des Spätmittelalters geht es immer am Wald entlang.

An der Warte, die ein herrlichen Blick über das kleine Tal nördlich von Göttingen bietet, komme ich wieder in den Wald, der hier seit langem FFH 2000 Schutzgebiet ist. Ich bin froh den Wald erreicht zu haben, strahlt doch unser Zentralgestirn schon wieder ordentlich. Im Wald auf guten Fortwegen, die teilweise von Brombeersträuchern gesäumt sind, geht es weiter Richtung Billingshausen, das schon ausgeschildert ist. Ich muss mich nun entscheiden. Plesse, ja oder nein. Nein, der Weg ist weit, es wird heiß werden und ich will keine 4 Kilometer Umweg einlegen. Immer abwärts komme ich nach Billingshausen, wo ich die B446 quere.

Durch Felder, die meist schon abgeerntet sind, erreiche ich den Bühler Wald. Schatten und leckere, fast überreife Brombeeren, schonen meine Wasservorräte. Schnell komme ich an Fischteichen vorbei an das Hinweisschild nach Südershausen, das ich aber achtlos rechts liegen lasse. Als ich die Bühler Grill- & Schutzhütte erreiche, mache ich im Schatten Pause. Am Rastplatz plätschert ein Brünnlein und ich tauche meine Mütze hinein. Kühler Kopf, … Hier leere ich auch meine zweite Wasserflasche. Als ich mich wieder aufmache, hätte ich mich fast im Weg geirrt, war doch der Weg auf dem ich kam und der sich fast geradeaus fortsetzte viel offensichtlicher als der schmale Wiesenpfad, der mich ostwärts Bühle herumführte. Glücklicherweise habe ich dies nach 50 Metern gemerkt, als mir ein Jeep entgegenkam.

Wenig später geht es ziemlich steil bergab. Da es gestern Nacht stark geregnet hat, auf den normalen Wegen war das kaum feststellbar, aber hier im dichten Wald ist der Boden aufgeweicht. Da ein paar dicke Äste querliegen, muss ich über die steigen und wäre beinahe in eine Matschpfütze gerutscht. So waren aber nur meine Wanderschuhe furchtbar dreckig. Groß aufregen lohnt sich nicht, die werden von allein durch das Gras wieder halbwegs sauber.

Bühle und den Northeimer Stadtteil Sudheim passiere ich am Waldrand am Hang. Leider ist die Zeit schon zu weit vorgerückt, als das der Waldweg noch im Schatten wäre. Komoot zeigt mir einen Aussichtspunkt der Brockenblick heißt, aber ich habe keine Lust auf Umwege mehr und will weiter Richtung Stadt. Durch die Stadt, die sich durch die vielen Fachwerkhäuser ein altertümliches Erscheinungsbild bewahrt hat, erreiche ich mein Hotel. Kaltgetränk, Dusche und dann Essen gehen in der Schere, sind die letzten Aktivitäten des Tages.

Heute bin ich in gut 5 Stunden reiner Gehzeit nach gut 25 Kilometern Strecke mit nur noch 430 Höhenmetern Anstieg in Northeim angekommen. Die Anstiege werden kürzer und weniger steil. Ich komme der norddeutschen Rübensteppe offenbar näher.