Tag 41   Sehnde nach Ehlershausen

Das Frühstück im Hotel ist wie gestern gut und ich mache heute früh auf. Es ist Montag und ich will heute weit kommen, will ich doch morgen Abend aus Celle zurückfahren. Also vor acht los.

Es geht immer nordwärts. Schon in Sehnde geht ich unmittelbar nach Unterquerung der Bahnlinie in den Park nach Norden in Richtung Lehrte, ebenfalls ein Kalibergbauort. Der Abraumhügel ist weithin sichtbar. Ich gehe lange parallel zur B443 und an einer Bahnlinie entlang, auf der viel mit Schüttgut beladenen Züge verkehren. Zügig erreiche ich Lehrte, wo ich den Bahnhof als Querung der Bahnlinien Braunschweig und Wolfsburg nach Hannover nutzte. In der Innenstadt mache ich in einem italienischen Restaurant eine kurze Trinkpause. Espresso und gut.

Nach Lehrte treffe ich auf die Bahnlinie Bahnknoten Lehrte nach Celle, der ich ein gutes Stück nordwärts folge. Einkleiner Bach leistet meine Wiesenweg Gesellschaft. Immer wieder donnern schwere Güterzüge auf dem Weg nach Norden oder Süden in meine Nähe vorbei. Ab und an zähle die die Anzahl Waggons. Sie schwankt zwischen 31 und über 60.

In Steinwedel schwenkt mein Weg nach Nordosten und durch den Ort, bevor es wieder entlang der Bahn bis nach Burgdorf weiter gehen soll. Kurz vor Burgdorf schwenkt mein Weg noch einmal in ein Waldstück nach Osten ab. Dort füge ich einem gut 1 Meter hohen Steinmännchen noch einen Stein hinzu. Mein Weg von Lehrte nach Burgdorf ist zu guten Teilen auch Radweg und es sind doch eine Reihe Radfahrer unterwegs. Aus dem Wäldchen komme ich wieder Richtung Bahn, bevor ich nach Burgdorf hineinkomme. Hier stehe eine Bank im Schatten eines großen Baumes. Der Weiterwerg ist klar und so mache ich Pause und leere die zweite Flasche.

In Burgdorf stoße ich aus dem wirklich schönen Stadtpark kommende auf ein Eiscafé mit Tischen und Sonnenschirmen. Ein Blick zur Uhr sagt, dass ich noch sehr gut in der Zeit bin. Was spricht gegen ein Eis? Nix. Also Pause und Eis bestellt. Schmeckt gut. Auf den Espresso verzichte ich aus unerklärlichen Gründen. Als ich weiter gehe, ist wie so oft. Menschliche Bedürfnisse melden sich. Die Karte verrät, ich komme lange in keinen Wald. Glücklicherweise komme ich wenige Minuten später, bevor ich erneut die Bahnlinie quere ans Burgdorfer Hallen- & Freibad. Danke Steuerzahler von Burgdorf.  Auch für den halben Liter Trinkwasser.

Weiter geht es nach Otze. Immer an der Bahn lang und unter der B 188 hindurch. Mitarbeiter der Bahn werkeln an Masten der Oberleitung und machen spät Mittagspause. In Otze wollte ich es, so der ursprüngliche Plan, für heute gut sein lassen und mit der Bahn nach Celle fahren. So wäre die morgige Etappe knapp 20 Kilometer ohne Gepäck bis 15 Uhr locker zu meistern gewesen. Kurze Pause am Sportplatz von Otze. Ich trinke einen Schluck und checke die Bahn-App. Der Zug kommt erst in 45 Minuten, verrät ein Blick auf die Uhr. Außerdem ist es erst gut 14 Uhr. Wenn es von Otze bis zum nächsten Bahnhof in Ehlershausen weniger als 5 Kilometer sind, beschließe ich, gehe ich einfach weiter. Die Spargelfeldstraße bringt mich an den Bahnhof, wo ein Hinweisschild die Entfernung nach Ehlershausen mit 4,4 Kilometer angibt. Also weiter.

Durch ein Wohngebiet verläuft der Weg, zuerst als Straße, später Schotter-, dann Wiesenweg und zu guter Letzt als Wiesenpfad der Bahn entlang. Irgendwann höre er an einem Wäldchen auf und unterquert die Bahn. So zumindest komoot. Wird schon zu finden sein, denke ich. Eine Unterführung unter der Bahn ist ja gut sichtbar. Problemlos komme ich zu Station 4, dem Wiesenpfad. Ich wandle durch junge Bäume, das Handy in der Hand, als komoot meint, ich müsse nun also „jetzt“ nach rechts. Tatsächlich in ca. 25 Meter Entfernung sehe ich Mauersteine unter der Bahnlinie. Das muss die Unterführung sein. Als ich näherkomme, muss ich grinsen. Die „Unterführung“ ist ca. 1 Meter hoch.

Da passe ich nicht durch. Ich bücke mich und blicke durch. Hinten ist offen, Licht scheint durch den Tunnel. Mist. Umkehren. Ich gehe ein paar Schritte zurück, konsultiere komoot und entscheide mich nicht umzukehren. Ich muss da durch, sonst wird es weit oder weglos. Ich versuche mich zu bücken und durch das „Loch“ zu kommen. Mit Rucksack keine Chance. Rucksack runter und vor mir hertragen watschle ich die 10 Meter mit gesenktem Kopf, so dass ich das Ende nicht sehe durch das „Loch“. Bei zwei Drittel hoffe ich durch zu sein und heb den Kopf. Ich werde enttäuscht. Sind noch ein paar Watschelschritte. Endlich bin ich durch. Rucksack auf und weiter geht´s auf schönem, naturbelassenen Waldweg an einem kleinen See vorbei nach Norden.

Der Rest ist schnell erzählt. Duch lichten Kiefernwald geht es nordwärts nach Ehlershausen. Ich erreiche den Bahnhof und der stündlich verkehrende Zug ist vor 5 Minuten abgefahren. Zum Glück gibt es eine Gaststätte in Sichtweite. Aber heute ist Montag. Ruhetag. Der Netto-Markt hat leider auch kein Bäckercafé, so dass ich alle Zeit der Welt habe auf der Bank am Bahnsteig Platz nehmen.

Später spaziere ich nach dem Abendessen noch durch die wirklich sehenswerte Celler Altstadt mit seinen vielen restaurierten Fachwerkhäusern.

Heute bin ich nach gut 6,5 Stunden reiner Gehzeit und knapp 28 Kilometern Strecke mit noch 150 Höhenmetern Anstieg per Bahn in Celle, wo es vom Bahnhof noch 5 Minuten zum Hotel sind.

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