Tag 22   Würzburg nach Arnstein(Franken)

Die Bahn bringt mich in gut zwei Stunden über Ludwigsburg nach Würzburg. Wenig später spuckt mich der Hauptbahnhof aus und ich wende mich am Eingang nach links, folge den Straßenbahnschienen zwei Haltestellen Richtung Grombühl. An der Haltestelle Brücknerstraße geht es langsam bergan. Irgendwie muss ich ja aus dem Maintal rauskommen. Da ist sie: Die Rimparer Steige. Die ersten 200 Höhenmeter des heutigen Tages. Steil geht es am Schützenhaus, das leider noch geschlossen hat – es ist ganz schön warm – vorbei. Wenigstens ist der Fußweg vom Bäumen gesäumt, so dass ich im Schatten wandere. Mein Tagesziel für übermorgen ist das Haus des Teilvereins Würzburg des Rhönklubs. Da taucht es auf: Das „WH“ auf weißem Grund, das mir in den nächsten Tagen oftmals begegnen wird. Der Weg zum Würzburger Haus scheint gut ausgeschildert. Ich folge dem Weg, der schnurgerade verläuft. Kein Wunder, ist dies doch eine alte Handels- & Heerstraße, die die Bischofssitze Fulda, die größte Reichsabtei, und den Sitz des Fürstbischofs von Franken in Würzburg verbindet.

Ich komme nach Rimpar, wo dunkle Wolken nichts Gutes verheißen. Sollte es wie vorhergesagt wirklich regnen? An einem steilen Stich im Ort überlege ich, ob ich die Regenjacke anziehe. Den Regenüberzug über den Rucksack ziehe ich schon mal über. Es tröpfelt leicht. Meine Hose trocknet schnell rufe ich mir in Erinnerung. Lass Regenjacke und -hose im Rucksack. Es ist sehr warm und ich schwitze bergauf. Er tröpfelt stärker. Ich beschleunige meine Schritte und entdecke eine dichtbelaubte Buche unter der ich meine Regenjacke anziehen will. Bis ich da bin, bin ich pitschnass. Es regnet in Strömen. Die Tropfen schlagen Blasen und im Kandel schießt das Wasser nur so bergab. Mein Blick ins Laubdach, ob es den Regen noch lange abhält, ist unnötig. Kaum schaue ich rauf, tropft es mir auf die Brille. War da hinten nicht eine offene Garage? Ich renne zur offenen Garage und stelle mich unter. Glücklicherweise dauert der Schauer nur eine gute viertel Stunde. Dann ist der Spuk vorbei. Es ist warm und ich nass. Was soll´s? Ich bin nicht aus Zucker und in der Garage war ich windgeschützt.

Als der Regen aufhört, mache ich mich in Richtung Gramschatz auf. Ich komme nicht weit, dann eine kleine Kapelle am Wegesrand zieht meine Aufmerksamkeit auf sich. Die Hose ist eh nass, so dass der Weg durchs hohe Gras auch schon egal ist. Die Kapelle wurde von einem bayrischen Unteroffizier nach dessen Rußlandfeldzug mit Napoleon für dessen glücklichen Übergang über die Beresina gestiftet. Zwischen Rimpar und Gramschatz wird eifrig gebaut. Die Südlink-Stromtrasse, die regenerativen Strom aus der Nordsee nach Bayern bringen soll, bekommt hier ein Umspannwerk.

Endlich erreiche ich Arnstein, mein Tagesziel. Heute bin ich nach gut 4,5 Stunden Gehzeit und gut 23 Kilometern Strecke und fast 500 Höhenmetern Anstieg am Zwischenziel Arnstein. Leider hat der Gasthof, in welchem ich Quartier reserviert habe, heute Ruhetag. Glücklicherweise hängt ein Zettel mit einer Rufnummer am Eingang. Leider habe ich im Ort kein Netz, aber gegenüber ist eine Eisdiele, die mir erst ein kühles Getränk und anschließend ein wohlschmeckendes Eis serviert. Meine Versuche den Gasthof telefonisch zu erreichen sind nicht von Erfolg gekrönt und die Frage, inwieweit es im Ort einen Anderen gibt, führen nicht zum passenden Ergebnis. Was nun? Internet gefragt: Keine Übernachtungsmöglichkeit in Arnstein. Der Busbahnhof ist nur 300 Meter entfernt und von dort gibt es den Bus nach Würzburg, der in 5 Minuten losfährt.

Also rein in den Bus und das Internet konsultiert. Nach Würzburg wollte ich eigentlich nicht zurückfahren. Im Rimpar gibt es eine Pension. Schnell angerufen und ein Zimmer samt Frühstück zu einem annehmbaren Preis ergattert. Den Pensionsbesitzer treffe ich an der Bushaltestelle, da er eine halbe Stunde nach mir mit dem entgegenkommenden Bus aus Würzburg zurückkommt. Über Rimpar thront ein hübsches Schloss, in dem das Rathaus samt Standesamt untergebracht ist. Kommenden Sonntag kommt der bayerische Ministerpräsident zum 900-jährigen Jubiläum nach Rimpar, wie Plakate verkünden. Leider gibt es aber keine offene Gaststätte. Ein türkisches Spezialitäten-Restaurant hat aber geöffnet, so dass ich trotzdem noch ein Kaltgetränk bekomme und satt werde.

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